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Monday, 1. december 2008 1 01 /12 /Dez. /2008 11:18

Zwei Dates und ein Kuss

 

Mein "Date" war ein Kerl, der mit etwa 500 Tieren (die Futtertiere nicht mitgezählt) in einer kleinen 3 Zimmerwohnung sein Leben fristete. Er war schon etwa 30 Mal von seinen Schlangen und Skorpionen gebissen, bzw. gestochen worden und ein paar Mal nur knapp dem Tode entronnen. Von seinen Vogelspinnen ganz zu schweigen.  An sich ein sehr netter Kerl, aber allein die Vorstellung, ihn in seinem Heimtierzoo zu besuchen, ließ mich doch etwas schaudern. Wir trafen uns also in einem Café am Stadtrand, wo er 2 geschlagene Stunden nur über seine neuste Errungenschaft, eine Wasweissichmesopotamischeameisentötungsspinne referierte. Gelangweilt sah ich aus dem Fenster. Das Wetter war schlechter geworden. Der Himmel war trüb und passte mich langsam meiner Stimmung an. "Buff" wie mein Date sich nennen ließ, redete derweil ohne Punkt und Komma weiter. Das Klingeln meines Handys errettete mich aus den düsteren Gedankengängen und vor allem aus der Datemisere. "Ellooouuuu" tönte es aus dem Hörer. Ich war ehrlich noch nie so froh gewesen, Jonas Stimme zu hören. "He, ich hab grad entschieden das du Zeit haben musst. Mir ist langweilig und ich hätt Lust auf ne Runde Dart!" Ich schluckte kurz. Darten mit Jonas? Den besten Kumpel meiner ehemaligen großen Liebe? Ich atmete einmal tief durch und bejahte dann. "Um 8 im Vivendi." schlug ich vor. "Was kriegt der Sieger?" Fragte er. Ich musste grinsen. "Einen Wunsch frei, würde ich sagen". Ich konnte ihn förmlich durch das Telefon lachen sehen. "Jubb! büs denn!" Damit war mein Abend gerettet. Ich verabschiedete mich flugs von dem Tiermenschen und beeilte mich nach Hause zu kommen. Was sollte ich anziehen? Etwas normales? Sexy? Ich entschied mich für Minirock, Stiefel und Top und stylte mich so schnell es ging. Als ich in den Spiegel sah, blickte mir eine schlanke Blondine mit hübschem Gesicht und strahlend blauen Augen entgegen. Ich drehte mich einmal und war mit dem Gesamteindruck zufrieden.

 

Kurz darauf saß ich im Auto und bretterte mit guten 200 Km/h Richtung Vivendi. Dort angekommen, erwartete Jonas - lässig an sein Auto gelehnt - mich schon. Als ich ausstieg schluckte er kurz. Das hatte er wohl nicht erwartet. Ich stackelte also auf ihn zu und küsste ihn zur Begrüßung auf die Wange. Er sagte zwar nichts, aber seine Augen sprachen Bände was mein Outfit anging. Wir betraten die Kneipe, bestellten beim Barkeeper im vorbeigehen Kaffee und Pfeile und starteten die ersten Runden Dart. Durch die halterlosen Strümpfe die hin und wieder unter dem Minirock vorblitzten leicht abgelenkt, gewann ich den restlichen Abend fast alle Spiele mit Leichtigkeit. Irgendwann wurde es uns dann Langweilig und wir setzten uns in eine Ecke der Bar. "Nun, was wünschst du dir als Gewinn?" Fragte er, als die Bedienung uns einen weiteren Kaffee hinstellte. Ich dachte nach und sah ihn dabei unverwandt an. Seine wahnsinnig eisblauen Augen faszinierten mich schon seit ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Eine solche Farbe war selten und wurde noch durch das hintergründige Funkeln seines ironischen Humors verstärkt. Ich schüttelte den Kopf. "Ich weiss nicht. Ich muss mir noch etwas überlegen." antwortete ich wahrheitsgemäß. Eigentlich wusste ich es schon, aber ich war zu feige ihn das zu fragen. Je mehr ich über ihn nachdachte, desto klarer wurde mir, was für ein Mensch er wirklich war. Ich mochte seinen Humor, seine Art zu sprechen, seine Mimik, seine Gestik und die Art die Dinge und das Leben zu sehen. Ich nahm den Kaffee in beide Hände und versuchte in der heissen, braunen Flüssigkeit eine Antwort zu finden. Wir schwiegen eine Weile zusammen. Je mehr ich über seine Worte nachdachte, desto klarer wurde mir seine Natur. Er war schadenfroh und gehässig, kompromisslos und selbstbewusst und genau das machte ihn einzigartig. Seine gnadenlose Ehrlichkeit mit den Menschen um sich herum und die Weitsicht im Hinblick auf sein Leben, sein Ehrgeiz, das alles machte ihn zu einer besonderen Person. Doch das, was mich eigentlich wirklich anzog, war das darunter. Die unterschwellige Wärme, die Selbstverständlichkeit mit der er mir zuhörte und mit der er sich um mich kümmerte. Auf ihn war einfach in jeder Situation verlass. Ich wusste, er war ein Mensch bei dem man zwischen den Zeilen lesen musste und das konnte ich recht gut.

"Hey, bist du noch da?" grinste er und riss mich aus meinen Gedanken. Ich nickte. "Meinen Wunsch hebe ich mir noch auf. Ich wart da auf den passenden Zeitpunkt." lächelte ich. Er zuckte mit den Schultern. "Wie du meinst." Sanft strich er über meine Handfläche und ich griff zu. Ich spielte eine kleine Weile gedankenverloren mit seinen Fingern und beschloss, dass es an der Zeit war, einen kleinen Schritt auf ihn zu zu machen. Ich küsste seine Fingerkuppen sanft und sah ihm dabei tief in die Augen. "Willst du mich nich woanders küssen?" fragte er leise lächelnd. "Wohin denn zum Beispiel? Aber wehe das wird ein unmoralisches Angebot!" gab ich zurück und strich über seine Hand. "Auf den Mund zum Beispiel?" Ich zog eine Augenbraue hoch und meinte spielerisch. "Da komm ich nich hin. Du bist zu weit weg." Er schüttelte den Kopf, verdrehte die Augen und beugte sich vor. Sein Kuss fühlte sich - ganz im Gegensatz zu seiner Art - weich und zart an. Ich genoss das Gefühl des sich ausbreitenden Feuers in meinem Inneren, seinen Atem auf meiner Haut und das prickelnde Gefühl als er mit seiner Hand über meine Wange strich. Nie hätte ich geglaubt, dass ein einziger Kuss so befreiend sein konnte. Meine Gedanken rasten als er mich wieder los ließ. Etwas perplex schaute ich ihn an. "Na, so schlimm oder was?" grinste er. Ich schüttelte den Kopf. "Ne, etwas überraschend... und vor allem... Das verstößt gegen meine Prinzipien." stammelte ich leise. "Prinzipien? Was für Prinzipien? Mädle, du lebst nur einmal." lächelte er. Innerlich fing eine meiner Kopfstimmen damit an mich deswegen anzuschreien. "Ja, ich wollte eigentlich ... naja... ich... ich will ohne ne Beziehung nich so... " Er unterbrach meine verbale Inkontinenz mit einem weiteren Kuss und meinte dann: "Ach, komm schon. Is doch nich zwingend die ganze Sache. Genieß es." ich nickte. "Du hast schon recht, aber ich mein, was is mit Marius?" Fragte ich. Marius, sein bester Kumpel und meine (ehemalige) große Liebe schwirrte immernoch oft genug in meinem Kopf rum. "Hm. Du weisst, dass Marius definitiv nichts von dir will? Siehst doch an der SMS die er dir geschrieben hat. Von wegen "Ich liebe dich nicht und ich werd dich auch nie lieben. Kapiers!"... Hinsichtlich dir ist er ein Vollidiot, aber das heisst nicht, dass du ab jetzt Enthaltsam leben musst." antwortete er und stand auf. "Ich wär für zahlen und gehen!" ich stimmte ihm nur zu. Mir ging so viel durch den Kopf, das ich auf dem Weg zum Auto und die Heimfahrt total in mich gekehrt war. Ich hatte mich von Jonas nur mit einem kurzen Kuss verabschiedet und als ich letztendlich im Bett lag, tat es mir leid. Schweren Herzens schlief ich dann irgendwann ein.

von Sparkle - veröffentlicht in: Weisse Schokolade - Buch 1: Zoe
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